Gewaltfreie Kommunikation

(eine Kommunikation, die die Beziehung erhält)

Mit unseren Kindern in Klasse 3 bieten wir im Werkstattunterricht eine Einheit zur Gfk (Giraffensprache) an.
Damit auch die Eltern einen kleinen Einblick erhalten, empfehlen wir hin und wieder einen Blick auf diese Seite hier zu werfen.

 

2 Leitsätze, die wir mit den Kinder behandeln:

"Wir möchten uns gegenseitig so behandeln, wie wir auch selbst behandelt werden wollen."

"Alles was wir tun, dient der Erfüllung von Bedürfnissen."

 

Auf SWR2-Wissen gab es diese Hör-Sendungen mit Beispielen:

Gewaltfreie Erziehung
(Sendung vom 24.1.15 - sehr zu empfehlen)

Gewaltfreie Kommunikation: Gute Idee, wenig Wirkung?

Video-Interview mit Dr. Britta Hahn v. 9.8.17

 

Elterninfoabend mit Heinz Stickel am 14.3.17
(kurze Zusammenfassung)

Der Säbelzahntiger in uns -
eine Geschichte von Heinz Stickel

Online-Kurs zur Gewaltfreien Kommunikation

 

Am 14. März 2012 fand ein interessanter Elternabend zum Thema "Neid" mit Herrn Stickel statt.

Der Elternabend im Schuljahr 2012/13 befasst sich mit den "Bedürfnissen", die oft nicht einfach zu formulieren sind.

 

Links und rechts oben sehen wir, wie die Giraffe mit dem großen Herzen sprechen würde und unten agiert der Wolf so wie wir ihn meist von uns selbst kennen mit Angriffen und Verletzungen.

bild gfk

Eine Geschichte für Kinder und Eltern von Heinz Stickel (2010)


Paula und die Sechs

Paula hatte sich bemüht. Sie hatte den Text, der im Diktat so ähnlich drankommen sollte, dreimal gelesen.
Sie war unsicher, ob das genug Übung war.
Aber sie schafft nicht mehr. Diktate schreiben war für sie ein Gräuel.
Deshalb war es ihr mulmig zu Mute, als sie im Diktat saß. Sie wollte unbedingt eine gute Note,
weil sie ihre Eltern nicht enttäuschen wollte.
Doch sie fürchtet, dass sich ihre Hoffnung auf eine gute Note nicht erfüllen
und ihre Mutter sehr enttäuscht sein würde.
Sie war sehr nervös und wollte nur eines: das Diktat so schnell wie möglich hinter sich haben,
damit sie wenigsten  vorerst ihre Ruhe hatte.
Die Lehrerin sollte sich ruhig Zeit lassen mit der Korrektur.
Doch am nächsten Tag kam die Lehrerin mit ihrer dicken Tasche.
Paula dachte: Oh Schreck, da stecken die Diktate drin.
Sie hat sie schon korrigiert!
Da bekam sie auch schon ihr Heft. Sie schlug es ganz aufgeregt auf,
und es war schlimmer als sie es befürchtet hatte: eine glatte Sechs!


Sie war ganz verzweifelt. Sie wollte ja keine Zwei, auch keine Drei.
Mit einer Vier wäre sie ja schon zufrieden gewesen. Aber jetzt das!
Sie war ratlos, wie sollte sie das ihren Eltern beibringen?
Sie wollte sie doch nicht enttäuschen,
sondern eine Freude machen.
In Mathematik gelang ihr das manchmal, aber nie im Diktat.
Als sie nach Hause kam, hielt sie ihrer Mutter stumm das Heft entgegen und hörte sie schon sagen:
Sag’ mal? Eine Sechs! Hast du denn gar nichts auf das Diktat gelernt? Was hast du Dir denn dabei gedacht?
Jetzt ist Schluss mit der Schlamperei! Ab morgen wird jeden Tag ein Diktat geschrieben!
Ich will doch sehen, ob das nicht besser wird!
Deine Schwester bekommt es doch auch auf die Reihe!

Und Paula wusste auch schon, was sie tun würde: auf ihr Zimmer rennen, sich aufs Bett werfen und heulen,
dann zum Abendessen hinuntergehen, und da würde sie ihr Vater erwarten...

Aber es kam alles ganz anders:

Die Mutter war auf dem Elternabend über die Giraffensprache gewesen und deshalb sagte sie:

„Aha, ich sehe, da steht eine Sechs unter dem Diktat.                                  Paula schluckte.
Ist das schlimm für dich? Bist du traurig darüber?                                      Ja! seufzte Paula.
Weil du dir so sehr gewünscht hättest,
dass du eine bessere Note bekommen hättest?                                             Ja! Ja! rief sie.
Möchtest du, dass wir die nächste Woche einmal Diktat üben?
Wäre das für dich in Ordnung, oder hast du eine andre Idee?“

Paula fiel ein Stein vom Herzen. Die ganze Angst und Anspannung war weg.
Sie war so was von froh.
So hatte ihre Mutter noch nie mit mir geredet. Es hörte sich zwar fremd und etwas umständlich an.
Eben wie eine Fremdsprache: die Giraffensprache.
So viel Verständnis und Mitgefühl hatte sie nicht erwartet. Sie war glücklich und voller Eifer und gespannt,
ob sie es tatsächlich mit Hilfe ihrer Mutter ein bisschen besser hinkriegte?
Sie wollte es probieren.
Toll, wenn man Eltern hat, die bei Schwierigkeiten nicht gleich in ein Wolfsgeheul ausbrechen.
Paula fiel ihrer Mutter um den Hals und sagte:

„Bin ich froh, dass du nicht geschimpft hast. Es tut so gut.
Weil ich ja auch so traurig über meine Note bin.
Als ich die Sechs sah, war ich so nieder geschlagen, jetzt bin ich erleichtert und froh.
Danke für dein Verständnis und deine Unterstützung.“

So etwas hatte Paula bisher auch noch nicht gesagt. Es klang noch ein bisschen fremd.
Vielleicht lag es daran, dass es ein bisschen Giraffensprache war.
„Ja und was machen wir jetzt mit Papa?“ fragte Paula. „Ja vielleicht lernt er ja auch ein bisschen Giraffisch!“ sagte Mama und lachte.

 

Heinz Stickel schrieb zum Thema Hausaufgaben Folgendes:

Klar: Kinder haben zu tun, was Erwachsene sagen. Sie wissen noch so wenig
und haben keine Lebenserfahrung, die müssen wir Eltern und Erziehungsberechtigten ihnen beibringen.
Was uns dann manchmal erbittert, dass sie so uneinsichtig sind. Sie müssen doch  einsehen,
dass man z.B. Hausaufgaben zu machen hat, zum Üben, zum Lernen, für die guten Noten.

Was haben sie nur gegen Lernen?

Gar nichts: Kinder lernen sprechen und laufen und viele andere Dinge von alleine und wollen lernen.
Warum wollen sie es dann plötzlich bei den Hausaufgaben nicht?

Ihre Hauptantriebfeder zum Lernen: „Ich will lernen!“ ist plötzlich blockiert.
Kann es sein, dass es unser: „Du musst lernen!“ ist?
Kann es sein, dass Kinder Schwierigkeiten haben mit dem „Müssen“?
Wir Erwachsen „müssen“ auch nicht gerne.

Probieren wir es doch einfach aus:
„Setzt dich jetzt hin und mach endlich deine Hausaufgaben!“
Was ist unsere Erfahrung mit einer solchen Erziehungsaktion?
Wenn wir Glück haben, machen es die Kinder, murrend vielleicht, aber sie tun es.
Brave tun es ordentlich, Frechere schmieren sie hin oder sie haben gar keine Hausaufgaben auf.
Es gibt viele Variationen.

Vielleicht geht es so:
Ich sehe, du hast deine Hausaufgaben noch nicht gemacht, ich bin beunruhigt,
denn mir ist wichtig, dass du morgen fröhlich und ohne Sorgen
in die Schule gehen kannst und keine Schwierigkeiten mit der Lehrerin bekommst.
Kannst du mir bitte sagen, was dich hindert, deine Hausaufgaben zu machen?

Das sind in etwa die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall  B. Rosenberg,
von denen er sagt, dass sie die beste Chance bieten,
den anderen mit meinen Wünschen zu erreichen:
* Ich sage, was ist (meine Beobachtung),
* was ich fühle (mein Gefühl),
* was mir wichtig ist (mein Bedürfnis) und

* was ich mir wünsche (meine Bitte).

Auch wenn uns so eine Reaktion fremd vorkommen wird, weil wir normalerweise nicht so reden:
Sie hat einiges für sich: Sie ist kein Befehl wie unsere erste Reaktion,
belastet also nicht das Verhältnis zu unserem Kind. In Gegenteil:
Wir vermitteln unserem Kind, was uns wichtig ist, nämlich sein Wohlergehen,
und stärken damit unsere Verbundenheit mit dem Kind.
Wir sagen nicht: „Du Faulpelz!“ und beurteilen es damit, sondern stellen nur fest:
Die Hausaufgaben sind nicht gemacht.
Wir machen es mit unserem  Gefühl bekannt: Das beunruhigt mich.
Es hört unsere Sorge und nicht unseren Ärger, von dem es sich bedroht fühlen könnte
und wir bieten ihm Hilfe an, signalisieren, dass es nicht alleingelassen ist.

Das alles kann dazu beitragen, dass die Atmosphäre um das Hausaufgabenmachen
und unser Verhältnis zum Kind entspannt bleibt und
vielleicht jahrelange Kriege darum verhindern und
eine schleichende Entfremdung nicht Platz greift.

Vielleicht sind Ihnen Einwände gekommen oder Fragen, Zweifel oder sogar Unwillen: So ein Aufwand. Das ist in Ordnung.
Kein Mensch muss so mit seinen Kindern umgehen. Es ist ein Weg, zu dem man sich entscheiden kann,
wenn man ihn interessant findet.
Übrigens: Auf die Bitte: „Kannst du mir sagen, was dich hindert, deine Hausaufgaben zu machen?“
haben Kinder häufig wichtige Dinge zu sagen, die wir sonst nie erfahren würden.



Wie sagt Britta Hahn in ihrem empfehlenswerten Buch: Ich will anders, als du willst, Mama, im Untertitel:
„Kinder dürfen ihren  Willen haben – Eltern auch.“